Der Dackel: Edel, effektiv, erfolgreich!

In den letzten fast 130 Jahren, in denen der Dackel stammbuchmäßig erfasst und gezüchtet wird, wurden unzählige Rasseportraits und Schriften über ihn verfasst. Es gibt wenig was noch nicht irgendwo über die Geschichte und Herkunft unseres kleinsten Jagdgebrauchshundes geschrieben und abgedruckt wurde. Deshalb zäumen wir hier das Pferd einmal von hinten auf.

 

Wenn es um die Rasseportraits des Dackels aus der Sicht eines praktizierenden Jägers geht, muss in erster Linie seine Leistungsfähigkeit im Vordergrund stehen. Dabei darf nicht vergessen werden, das eine oder andere auch kritisch zu beleuchten.

Momentan ist der Dackel in Mode: Dies ist zum einen durch die vermehrte Schalenwildbejagung in Form von Bewegungsjagden begründet, wofür sich unser kleiner Freund - entsprechend veranlagt und abgeführt - in besonderer Weise eignet. Zum anderen liegt es an seiner universellen Größe, die es dem Jäger ermöglicht, ihn überall, und das nicht nur im rein jagdlichen Bereich, zu führen. Die Größe oder besser gesagt die Kleinheit erlaubt es ihm, auf dem Ansitz eine genauso gute Figur wie im Familienurlaub abzugeben.

 

Unter der Erde ...

Eine der Basiskompetenzen des Dackels ist und bleibt die Arbeit unter der Erde am Raubwild. Auch wenn der Dackel kynologisch den Bracken zuzuordnen ist, so bleibt er auch nach der Einteilung der FCI ein Erdhund. Und warum? Weil er es kann! Wie schreibt doch

OFM Rudolf Fries in seinem Buch "Die Bodenjagd" zur Einleitung so schön und treffend: " Meine erste Liebe waren die alten guten "Försterdackel" und sind es bis heute geblieben". Diese Worte aus dem Munde eines Mannes, der sowohl bei der "Entstehung" des Deutschen Jagdterriers als auch des Deutschen Wachtelhundes als Pate an der Wiege stand, sagen doch sehr viel aus und sind ein großes Kompliment an die kleinen Kämpfer mit dem großen Herzen. Die Baujagd ist für jeden "Dachshund" die Königsdisziplin. In dieser Arbeit sind die Wurzeln des Dackels zu suchen, hier wurden dieser Rasse ihre markanten Eigenschaften verliehen. Keine andere Arbeit verlangt vom Hund so viel Leistungsfähigkeit, Härte und Durchhaltevermögen. Daraus ergibt sich, dass der Dackel ein hohes Maß an Selbständigkeit an den Tag legt. Die sprichwörtliche Sturheit, die dem Dackel nachgesagt wird, ist letztlich nichts anderes als das Ergebnis der Zucht mit Hunden, die stets eigenständig Entscheidungen am Raubwild treffen mussten.

Unter der Erde zeichnet sich der Dackel durch eine hohe Schlieffreudigkeit und einem sicheren Vorliegelaut aus.  Kommt dann noch, wie es

OFM Rudolf Fries ausdrückt, die "durchführende Energie" des Dackels zum Tragen, bleibt kaum ein Fuchs im Bau. Entscheidend neben seinem großen Drang zum Raubwild ist, dass die Schärfe nicht blindwütig ist. Um erfolgreich unter der Erde mit dem Hund zu jagen, muss der Dackel immer wieder Druck auf das Raubwild aufbauen, ohne dabei Gefahr zu laufen, selbst schwer geschlagen und verletzt zu werden.

 

Die Stöberarbeit

Der Dackel als Zwergbracke leistet beim Stöbern auf Schalenwild Hervorragendes. Seine Kleinheit, sein Wille, seine Jagdintelligenz, sein sicherer Spur- und Fährtenlaut und nicht zuletzt seine Härte und Schärfe befähigen ihn dazu perfekt auf Bewegungsjagden zu agieren. Aufgrund seiner Körpergröße und der damit verbundenen Langsamkeit ist der Dackel ideal für die Bejagung des Schalenwildes. Das durch Dackel gefundene Wild kommt langsam vor die Schützen. Dadurch haben sie die Möglichkeit, vor den Hunden selektiv zu jagen, sprich sauber anzusprechen und auf stehendes Wild waidgerecht den Schuss anzutragen. Das Wild wird nicht gehetzt, sondern kann sich am Laut des Dackels gut orientieren, flüchtet somit nicht kopflos in absoluter Panik und verhofft immer wieder.

 

Analog sieht es beim Schwarzwild aus: Hier reicht der Druck, den die Dackel aufbauen, völlig aus. Die Intelligenz und die der Praxis angepasste kluge Schärfe des Dackels in Kombination mit seinem sicheren Laut erweisen sich als zielführender als "brutale Gewalt", die dann oft nach hinten losgeht und auf dem direkten Weg zum Tierarzt führt. Die veränderten Revierverhältnisse, das Umdenken in vielen Revieren und nicht zuletzt der stetige Zuwachs des Schwarzwildes verlangt immer mehr eine Ausrichtung der Bejagung in Richtung Bewegungs- und Intervalljagd. Somit gibt es für den Dackel ein Arbeitsfeld, welches diese Rasse hervorragend ausfüllen kann. Hier wird auch die Zukunft des Arbeitsgebietes des Dackels gesehen.

 Die Nachsuche

Der Dackel leistet bei der Nachsuche auf krankes Schalenwild wahrlich gute Dienste. Dass dem so ist, kann man an vielen Statistiken und noch mehr Geschichten über erfolgreiche Nachsuchen mit unserem Dackel nachlesen und erfahren.

Da aber für die echte, extrem schwierige und unter Umständen gefährliche Nachsuche (womöglich mit nötiger Hetze und Packen oder Stellen auch stärkeren Wildes) das Beste gerade gut genug ist, wäre es vermessen, ihn als Schweißhund zu bezeichnen. Erfahrungsmäß kann der Dackel alles, was im Bereich einer sicheren Totsuche anzusiedeln ist, sehr gut meistern. Das aber kann und sollte man ihm unbedingt zutrauen und ihn entsprechend einarbeiten - dann kann der Dackel im Bereich der Nachsuche einiges leisten.

 Die Wasserarbeit

Dass der Dackel kein Apporteur im klassischen Sinne und schon gar nicht ein Hund für die schwierige Wasserarbeit im deckungsreichen Gewässer ist, erklärt sich schon aufgrund seiner körperlichen Konstitution. Es fehlt ihm für diese Arbeit an Größe, Läufen und Substanz. Trotzdem gelingt es dem gut abgeführten Dackel ohne Probleme, eine Ente aus dem Wasser zu holen. Somit komplettiert dieses Fach seine angesprochene Vielseitigkeit.

Fazit: Wer einen Helden oder die "eierlegende Wollmilchsau" sucht, der wird sicher mit dieser Rasse nicht zufrieden sein. Aber wer einen kleinen Allrounder mit vielen Fähigkeiten über und unter der Erde sucht, dem wird der Dackel viel Freude und Jagderfolg bescheren.

(Teilauszug/Hund&Jagd/Ausg.02/S.Fuß)



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